Besser leben in Mecklenburg-Vorpommern

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Arbeitgeber in Mecklenburg-Vorpommern

Statistisch gesehen verbringt der Mensch mehr Zeit auf Arbeit als aktiv bei seiner Familie. Da sollte der Job also nicht nur das nötige Kleingeld bringen, sondern auch Spaß machen, inspirieren und Gelegenheiten bieten, mehr daraus zu machen, Karriereleitern zu erklimmen, Sinn stiften – und sich gleichzeitig gut mit allen anderen wichtigen Dingen im Leben vereinbaren lassen. Wer wo die Balance in Mecklenburg-Vorpommern gut schafft, welche Herausforderungen dafür zu meistern sind, das lesen Sie hier.

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IT-Unternehmer Torsten Hecht weiß, was Mitarbeiter wollen

Mit kleinen Dingen motivieren: Auf der Suche nach neuen Fachleuten müssen Unternehmer mehr bieten als nur gute Löhne, meint IT-Unternehmer Torsten Hecht. Foto: Volker Bohlmann

Schwerin Verkehrte Welt: „Vor Jahren war es noch schwer, genügend Aufträge zu finden“, erinnert sich Torsten Hecht. Qualifiziertes Personal zu der Zeit zu gewinnen – kein Problem. 1991 wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete seine eigene Firma – ein klassisches Computersystemhaus, nachdem er zuvor noch allein mit geborgtem Geld in Hamburg Einzelteile gekauft und daraus zu Hause Computer zusammengebaut hatte – zwei Stück am Tag, die sich für gutes Geld verkaufen ließen. Aus der Ein-Mann-Garagen-Firma und dem IT-Unternehmen von einst ist in mehr als zwei Jahrzehnten ein bundesweit anerkannter Anbieter von Softwarelösungen für das Immobilien- und Filialmanagement sowie die Liegenschaftsverwaltung geworden.

 

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Auftragsnöte einst, Orderfülle heute – Jahre später hat sich die Situation umgekehrt. Personalnot bringt den IT-Unternehmer aus Schwerin an Wachstumsgrenzen. Inzwischen könne er sich vor Arbeit kaum retten, erklärt der Chef der Software-Firma Com In. „Doch das Personal fehlt. Das ist unser Nadelöhr.“ Sieben oder acht Mitarbeiter würde er sofort einstellen – Experten für Gebäude- und Liegenschaftsmanagement, die die in Schwerin entwickelte und von namhaften Filialisten in ganz Deutschland eingesetzte Software Anwendern nahebringen sollen – dauerhafte Jobs. Doch die jahrelange gute Konjunktur habe den Fachkräftemarkt wie leergefegt.

Flaute im Personalbüro: Hecht gehört zu den Unternehmern, die im Fachkräftemangel derzeit das größte Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sehen. Zwei von drei Mittelständlern im Nordosten haben inzwischen Probleme, offene Stellen zu besetzen. Das schlägt ins Kontor: Für neue Aufträge wird das Personal knapp. Immer wieder habe es zwar Bewerbungen von Interessenten gegeben – allein „den Anforderungen werden sie nicht gerecht“, musste Hecht feststellen. Er hat es dennoch geschafft – fünf neue Mitarbeiter habe er in den letzten Monaten gewinnen können, auch eine indische Fachkraft, Absolventin der Hochschule im nahen Wismar.

Der Unternehmer zieht alle Register: Mit hohen Gehältern allein ließen sich heute Mitarbeiter nicht mehr begeistern. „Geld verdienen können Fachleute woanders auch“, meint der studierte Elektrotechnik-Elektroniker. Zumal: „Wir zahlen schon mehr als beispielsweise der öffentliche Dienst.“ Und: Ost-West-Unterschiede gebe es schon gar nicht mehr. Egal ob an den Firmenstandorten in Schwerin, Münster oder Berlin: „Wir machen keine Unterschiede und zahlen nach einem einheitlichen Vergütungsniveau“, erklärt der Firmenchef. Das sei nur fair, schließlich würden seine Kunden ja auch nach in Deutschland und Europa gängigen Marktpreisen bezahlen. Längst habe er sich vom regionalen Markt gelöst. Edeka, McDonald‘s, Rossmann, Otto-Gruppe, Tengelmann: Zu 80 Prozent mache er seine Geschäfte mit überregionalen Kunden. „Damit können wir gut leben“, meint Hecht. Die Unternehmen müssen mehr, müssen bessere Konditionen bieten, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen oder zu halten.

Flexible Arbeitszeiten, Familienfreundlichkeit,Übernahme der Kita-Kosten: Der 55-Jährige hält einiges bereit, um Fachkräfte für seine Softwarefirma Com In zu bekommen. 65 Leute zähle seine Firma inzwischen. Es gehe längst um mehr als nur den kostenfreien Kaffeeautomaten am Arbeitsplatz. So zahlt Hecht für die Kinder seiner Mitarbeiter die Betreuungskosten bis zur Einschulung. Bei zwei, drei Kindern kämen da schon einige Hundert Euro Entlastung im Monate zusammen, erläutert der IT-Fachmann. Geschenke bei der Geburt eines Kindes, Familienfeste, Hilfe bei der Finanzierung der Eigentumswohnung oder des Eigenheims – manchmal sind es auch die kleinen Dinge, die Mitarbeiter motivierten und gern zur Arbeit kommen ließen, meint Hecht: „Das Gesamtpaket macht’s.“ Das wüssten die Mitarbeiter zu schätzen. Dazu gehörten ebenso flexible Arbeitszeiten: „Am Ende zählt, dass die Arbeit erledigt wird.“ Oder auch das gesellschaftliche Engagement des Unternehmens für Sportvereine, Kinderschutzbund oder soziale Verbände: „Das wird anerkannt.“

Hecht baut derweil vor: Die Lage auf dem Fachkräftemarkt werde auch in den kommenden Jahren kaum besser werden, glaubt er und stellt seine Produktpalette nach und nach um. Mehr selbsterklärende Software, Online-Coach für seine Auftraggeber, die den Beratungsaufwand vor Ort reduzierten. Und neue Branchen gewinnen, die die Software aus Schwerin beispielsweise für Optimierung von Transporttouren oder die Bewirtschaftung von regenerativen Energieanlagen nutzen könnten, ohne großen neuen Programmierungsaufwand: „Das sichert uns das Geschäft – künftig mit weniger Leuten.“ Torsten Roth

Wie eine Kindergärtnerin zur Kräuterhexe wird

Britta Daedelow aus Koldenhof hat vor einigen Jahren ihre Manufaktur „Liebstöckel“ gegründet und dafür eine Festanstellung aufgegeben. „Ich bin nicht von etwas weggegangen sondern zu etwas hin“, sagt sie heute über den Wechsel. Foto: Marlies Steffen

Britta Daedelow war damals schon länger unzufrieden. Die frühere Kindergartenleiterin hatte viele Hobbys. Basteln, Filzen, Fotografie, Malerei, Gärtnerei, Stricken, Basteln, Töpfern, Kochen … Aber nach der Arbeit fehlten häufig Zeit und Kraft, die Leidenschaft fürs Kreative auch leben zu können. Eines Tages meldete ein Reiseunternehmen eine Planwagentour mit Pferden an.

Da das Daedelowsche Grundstück am Rand von Koldenhof liegt, bot sich der Ort auch für eine Ausspannstation für Pferde an. Britta Daedelow kündigte ihren Job als Leiterin der Dolgener Kindertagesstätte. Den Schritt aus einer sicheren und regelmäßig bezahlten Arbeit in eine unsichere Zukunft als Selbstständige verstand damals nicht jeder.

Heute sagt Britta Dadelow: „Ich bin nicht von etwas weggegangen, sondern zu etwas hin“. Damals zeigte sich allerdings auch recht schnell, dass sich von der Pferdekarawanserei allein nicht leben lässt. Britta Daedelow musste sich etwas suchen, mit dem sie ihre Existenz auf sichere Füße stellen konnte.

Besuch bei den Existenzgründern

Sie besann sich auf das, was sie konnte und mochte: Sie liebte die Natur, sie kochte gut und sie bewirtete gern Gäste. So entstand die Idee für die Manufaktur „Liebstöckel“ mit regionalen Produkten aus dem Kräutergarten, von Obstwiesen und Wegesrändern.

Moralische Unterstützung fand sie bei ihrem Partner und in der Familie, finanzielle kam als Existenzgründerzuschuss vom Arbeitsamt. Alles, was sonst noch wichtig war – und das war eine Menge – erfuhr Britta Daedelow in „Halle 10“, der Akademie für Existenzgründer in Neubrandenburg. Hier hat sie nicht nur erfahren, wie Kontoführung funktioniert, was Netzwerke bedeuten, warum ein Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt wichtig ist und wie man einen Businessplan erstellt.

Hier hat sie vor allem gelernt, sich immer wieder zu erinnern: „Ich will das, und ich kann das. Meine Probleme habe ich mir immer als Steine visualisiert. In der schlimmsten Zeit lagen da sechs Brocken und ich musste sie irgendwie wegräumen.“

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Jede Menge Essbares

Inzwischen ist das alles Vergangenheit. In Koldenhof steht ein schniekes neugebautes Haus, das Küche und Gastraum vereint. In ihm kann nicht nur gestöbert, sondern auch verkostet werden. In den Regalen stehen selbstgekochte Marmeladen, Sirups, Chutneys, Soßen. Wer möchte, bekommt einen Café und Kuchen. Und wer möchte, kann in der Manufaktur bei diversen Workshops auch etwas lernen – zum Beispiel darüber, dass auf der Wiese um die Ecke jede Menge Essbares wächst.

Britta Daedelow ist damals wie heute oft unter Leuten. Fragten sie früher die Kinder Löcher in den Bauch, fragen heute die Erwachsenen: Kann man das wirklich essen …? Diese Frage hört Britta Daedelow öfter. Kann man die gelben Blätter der Sonnenblume wirklich essen? Kann man, sagt Britta Daedelow. „Im Salat angerichtet, schmecken sie sehr gut“.

Was schmeckt, wird für gut befunden

Britta Daedelow ist und isst nicht nur gern draußen. Vor allem auf das, was draußen wächst, hat es die Koldenhoferin abgesehen. Die Manufaktur ist für sie eine Herzensangelegenheit, ein Ort, an dem sie etwas schaffen und kreativ sein kann. Und sie spürt, dass sie anderen Menschen in ihren Workshops etwas geben kann. Manch einer komme ganz schüchtern und unbeholfen auf den Hof und ginge dann voller Stolz wieder los. Im Gepäck ein neues Rezept, eine neue Erfahrung, etwas selbst ausprobiert und für gut schmeckend befunden zu haben. „Das ist überhaupt ganz wichtig“, sagt Britta Daedelow. Dass die Leute die Dinge selbst in die Hand nehmen. Dass sie die Dinge selbst bearbeiten, die Erfahrung des Umgangs damit machen. Und am Ende auch beim Essen gemütlich beieinander sitzen. Es soll Spaß machen. Genau das ist auch ein Anspruch, den sie sie sich selbst für die eigene Arbeit stellt. Marlies Steffen und Susanne Böhm

Die frischeste Milch kommt aus dem Norden

Enno Tammling aus Wiek auf Rügen vertreibt Milch von seinem Hof direkt an Supermärkte, ohne Umwege. Foto: Uwe Driest

Auf die Idee kam er vor zwei Jahren nach einem Besuch in Bayern. „Damals war der Milchpreis eingebrochen und wir suchten nach neuen Vermarktungs-Konzepten“, erzählt Enno Tammling aus Wiek auf Rügen. Jetzt vertreibt er etwa ein Viertel der Produktion seiner 200 Milchkühe direkt an Supermärkte. An acht Standorten der Region Rügen und Stralsund stellte Tammling bisher seine Kühlautomaten in Kuhform auf. „Auf diese Weise produzieren wir regional und umweltfreundlich“, so Tammling. Mit der Nachzucht stehen insgesamt bis zu 450 der hübschen Jersey Kühe in seinen Ställen.

Familientradition bestimmte den Beruf

Übernommen hatte der 1967 in Schleswig geborene Landwirt den Hof kurz nach der Wende. „Ich bin in der Landwirtschaft groß geworden und wie es in Schleswig-Holstein Brauch ist, sollte mein älterer Bruder den elterlichen Hof übernehmen. Für mich war der Hof meines Onkels vorgesehen“, erzählt er. Als dann aber die Wende kam, war er gerade mit seiner Ausbildung fertig geworden und die Familie sah sich im Osten um.

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Auf Rügen lernte Enno Tammling Joachim Seifert kennen, der in der LPG Wiek arbeitete. Mit ihm gründete er eine Gesellschaft, die beide bis zu Seiferts Ruhestand 2005 gemeinsam führten. Von Joachim Seifert stammt auch die Idee, sich Jersey-Kühe aus Dänemark zu besorgen, die sie 1992 in die Tat umsetzten. „Die Tier passen hier gut her, weil sie weniger Futter brauchen und wir so mehr Fläche für den Ackerbau nutzen können“, meint Tammling. Für die Jerseys errichtete er einen neuen Laufstall, den er mit Gummiliegematten ausstattete.

Besonders hoher Fettgehalt

Rohmilch sei eigentlich temperaturunempfindlich und durchaus genießbar, wenn sie vor dem Verzehr abgekocht werde, sagt Tammling. Für den Vertrieb aber muss sie pasteurisiert werden. „Dafür erhitzen wir sie von vier auf 72,5 Grad und kühlen sie dann wieder herunter“, so Tammling. Das besondere an der Milch der Jersey-Kühe ist ihr höherer Fettgehalt. Den Rahm schöpft der Milchbauer ab und liefert ihn separat an die Molkerei „Rügener Inselfrische“ in Poseritz. Auch der Rügener Bäckerei-Unternehmer Nils Peters lobt Tammlings Milch in den höchsten Tönen. Die nicht homogenisierte Milch sei „geschmacklich vollmundiger“.

Tammling würde sich wünschen, die Direktvermarktung weiter ausbauen und vermehrt auch an Eisdielen und Hotels liefern zu können. „Wir merken am Umsatz, dass die Gäste der Insel unsere Milch mögen und gern ein Produkt von der Insel am Automaten zapfen“, so Tammling. Das Problem: Nicht homogenisierte Milch schmeckt zwar besser, setzt sich aber ab und müsste daher vor jedem Gebrauch umgerührt werden. „Deswegen ist sie in Hotels nicht sehr beliebt“, meint Tammling. 75 Prozent seiner Milch verkauft er daher an die Bergener Molkerei.

Preiskampf unter den Molkerein

Noch, denn wegen der niedrigen Preise und weil die Bergener Molkerei geschlossen werden soll, kündigten die 15 Milchbauern der Insel vor zwei Jahren geschlossen ihre Verträge mit dem Deutschen Milchkontor (DMK) zum Jahresende. Künftig werden sie ihre Milch an die Molkerei „Ostmilch“ in Prenzlau liefern. Die hätte den Standort gern übernommen, aber das DMK wollte nicht an den Mitbewerber verkaufen. „Dafür nehmen sie die Entlassung von mehr als 50 beschäftigten in Kauf, zahlen ihnen fünf Millionen Euro Abfindungen und verzichten auch noch auf den Kaufpreis von vielleicht zwei Millionen Euro“, klagt Tammling.

Auch deswegen ist der Familienvater froh, sich für die Direktvermarktung entschieden zu haben. Den Betrieb führt er heute gemeinsam mit seiner aus Bergen stammenden Frau Katrin, die er bei einem Tanzkurs kennenlernte. Die ist gelernte Bürokauffrau und regelt das Organisatorische. Tochter Tina (23) macht eine Ausbildung zur Mediengestalterin in Neubrandenburg und Alida (19) besucht eine landwirtschaftliche Schule in Güstrow.

Wenn der Hof ihnen ein wenig Zeit dafür lässt, cruisen Enno und Katrin Tammling mit ihrer Harley CVO Ultra limited, dem „ultimativen Bike für Langstrecken“, über die Insel. „Zumindest aber versuchen wir einmal im Jahr in meine alte Heimat und zum Heavy-Metal-Konzert nach Wacken zu fahren“, erzählt der Landwirt. „Nur bei der Übernachtung wählen wir mittlerweile die weiche Variante und quartieren uns im Hotel ein.“ Uwe Driest

Stadtvillen zwischen Plattenbauten

Am 19. Oktober wurden die neuen Stadtvillen im Neubrandenburger „Gaußpark“ feierlich von der Neuwoges an die Mieter übergeben. Fotos: Thomas Beigang

Das Datum 19. Oktober hat sich Frank Benischke schon dick in seinem Kalender angestrichen. Der Geschäftsführer der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges) will an diesem Tag ganz offiziell und laut vernehmbar den „Gaußpark“ einweihen. Sechs Wohnhäuser mit 48 barrierefreien Wohnungen sind hier in der jüngsten Vergangenheit entstanden. Nicht irgendwo – sondern in der Neubrandenburger Oststadt, dem größten Plattenbaugebiet in der Kreisstadt der Mecklenburgischen Seenplatte.

Zu allerbesten Zeiten lebten hier 25 000 Menschen, nachdem 1970, zum 100. Geburtstag Lenins, der Grundstein für den ersten Wohnblock gelegt wurde, entstanden in den darauf folgenden Jahren fast im Monatstakt neue Häuser. Die meisten von ihnen in der sogenannten Wohnungsbauserie (WBS) 70. 1973 wurde der erste WBS-70-Block in Neubrandenburg bezugsfertig. Dieses fünfgeschossige Haus steht seit 1984 unter Denkmalschutz und befindet sich in der Koszaliner Straße – in der Oststadt.

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Mieterbund kritisiert Rückbau

Längst nicht alle Häuser der WBS-70-Serie haben die Zeiten so gut überstanden wie jenes unter Denkmalschutz stehende. „In den Jahren vor 2010 haben auch wir natürlich massiv zurück gebaut“, sagt Benischke und meint: abgerissen. 2500 Wohnungen insgesamt in der Stadt in den Zeiten schwindender Bevölkerung. Lebten im Herbst 1989 mehr als 91 000 Menschen in der Stadt, sank die Zahl auf unter 65 000. Zwei Ziele verfolgten die „Rückbauer“: Die „Verdichtung“ auflockern und dem Vandalismus, der sich in leerstehenden Aufgängen und Wohnungen breit machte, Einhalt gebieten.

Ob man heute, Wohnungen sind in Neubrandenburg bei einem Leerstand von weniger als drei Prozent knapp, immer noch in den Größenordnungen von damals abreißen würde, Fachleute bezweifeln das und der Mieterbund macht aus seiner Kritik daran schon lange keinen Hehl mehr. Besonders kleine preiswerte Wohnungen und große, gut ausgestattete Mietquartiere gelten als Mangelware.

Erfolgreiche Vorbilder

Auch jetzt noch, da die Neuwoges ausgerechnet in der Oststadt und ausgerechnet dort, wo man vor Jahren Neubaublöcke abgerissen hat, neu gebaut hat. Sechs Wohnhäuser sind hier entstanden mit insgesamt 48 Wohnungen. Sogenannte Stadtvillen – in der Nachbarschaft gut sanierter Fünf- und Elfgeschosser. „Als wir an der Stelle zurück gebaut hatten, war Neubau noch kein Kalkül“, sagt Benischke. Das Umdenken fiel jedoch nicht schwer:  „Die Anschlüsse waren da, und die Infrastruktur in Neubrandenburgs größtem Stadtteil ebenso“, zählt der Geschäftsführer auf. „Ein großes Risiko stellte das nicht dar, vielleicht auf den Wohnungen sitzen zu bleiben“, so die Überzeugung des Neubrandenburgers.

Zumal der andere große Vermieter der Kreisstadt, die Neubrandenburger Wohnungsbaugenossenschaft Neuwoba ähnliches schon ein paar Hundert Meter weiter mit Erfolg praktiziert hat. Die Neuwoba hat schon vor Jahren in ihrem „Humboldt-Eck“ in der Oststadt vier Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 24 Zwei- und Drei-Raumwohnungen  errichtet und dort 3,65 Millionen Euro in die Errichtung barrierefreier und komfortabler Wohnungen investiert. Alle Wohnungen am neuen Humboldteck verfügen über einen Einstell-  im bzw. Pkw-Stellplatz am Haus, Fußbodenheizung in allen Räumen, Balkone und Bäder mit Dusche und Wanne.

Neubrandenburg nahe an der sozialen Segregation

Komfortabel soll es auch im „Gaußpark“ zugehen. Und das lassen sich die Mieter einiges kosten. Bei 7,50 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete geht es hier los, die Wohnungen sind zwischen 70 und 106 Quadratmeter groß. „Und was soll ich sagen“, freut sich Geschäftsführer Benischke, „alle Wohnungen sind vermietet“. Der jüngste Mieter sei 24 Jahre alt, der älteste hat schon seinen 80. gefeiert.

Ob gewollt oder nicht, mit dem Bau teurer Mietwohnungen setzt die Neuwoges, wie schon vor Jahren auch die Neubrandenburger Wohnungsgenossenschaft, der sogenannten Segregation in der Stadt etwas entgegen. Segregation  bezeichnet den Vorgang der Entmischung. In größeren Städten ist die Einkommenssegregation dort besonders ausgeprägt, wo die Bauformen des Wohnungsbestands stark entmischt sind, wo es also beispielsweise geschlossene Gründerzeitstadtteile gibt oder solche, die fast ausschließlich aus Platten- oder Sozialbauten bestehen – Großwohnsiedlungen und Trabantenstädte.

Dies trifft in Deutschland beispielsweise in besonderem Maß auf Rostock, Erfurt und Potsdam zu, die gerade in einer Studie als Großstädte mit der höchsten sozialen Segregation identifiziert wurden. Weit entfernt davon ist Neubrandenburg aber auch nicht. In die Oststadt aber sind jetzt auch Familien gezogen und können sich die Mieten im „Gaußpark“ leisten, deren Einkommen im Vergleich zu den Nachbarn überdurchschnittlich hoch ausfällt. Thomas Beigang

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