Besser leben in Mecklenburg-Vorpommern

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Wie duftet Heimat? Wie schmeckt das Leibgericht aus Kindertagen? Wo gibt’s edle Tropfen? Mecklenburg-Vorpommern ist reich an kulinarischen Verlockungen, sei es nun in edlen Restaurants oder – selbst ist der Mann und die Frau – aus der eigenen Küche aus heimischen Zutaten. Wir machen auf dieser Seite Lust auf Genuss, schauen dabei auch auf die Gesundheit und das Wohlbefinden.

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Ayurveda-Naturküche in Unbesandten

Hotel, Ferienhaus, Ferienwohnungen – Annett Senst begrüßt die Gäste in dem mit drei Sternen Superior dekorierten „Alten Hof am Elbdeich“ in Unbesandten. Foto: Hanno Taufenbach

Einfach ist es nicht in der Gastronomie: Fachkräfte fehlen, Gäste schauen kritisch auf das Preis-Leistungsverhältnis und die nächste Gaststätte ist nah. Wer sich dennoch für die Gastronomie entscheidet, muss mehr als Leidenschaft für diesen Beruf mitbringen. Er braucht Ideen und den Mut, neue Wege zu beschreiten.

Das umso mehr, wenn das Restaurant zwar idyllisch an der Elbe liegt, wo im Sommer die Radtouristen in Strömen kommen, aber dann triste Monate folgen. Annett Senst und Dirk Wolters haben sich entschieden. Das erste Mal vor acht Jahren, als sie den „Alten Hof am Elbdeich“ in Unbesandten nahe dem mecklenburgischen Dömitz übernahmen.

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Eine erfolgreiche Philosophie ist der Schlüssel

Die zweite Entscheidung folgte im vergangenen Jahr. Sie haben investiert und modernisiert. Ein Blick in die Küche. Annett Senst spricht von einer Ayurveda-Naturküche. Gäste sollen essen, was von hier ist. „Diesen Gedanken setzen wir um“, sagt Dirk Wolters. Ihr Öl beziehen sie aus einer Ölmühle in Schnackenburg auf der anderen Elbseite. Der Müritzfischer liefert köstliches aus mecklenburgischen Gewässern und auch der Käse stammt aus einer Käserei in Mecklenburg. Fleisch und Wurst kommen von einem Prignitzer Metzger.

Für traditionelle Kräuter wie Lorbeer und Beifuß sowie für das Gemüse ist der Weg besonders kurz. Sie wachsen direkt am Haus. Würde es einen Weinhang geben, wäre auch der edle Tropfen im Glas regional, scherzt Wolters. So aber kommt er aus der Pfalz und überzeugt nicht nur im Geschmack, sondern auch der Winzer arbeite nach ihrer Philosophie. „Er hat uns mit seiner Leidenschaft, mit seinem Enthusiasmus überzeugt“, meint Annett Senst. Dass die Küche saisonal sei, die Marmeladen zum Frühstück selbst gekocht und Konservierungsstoffe Tabu, erwähnt sie beiläufig.

Ein Mädchen für Alles wird zur Köchin

Monja Geyer ist diejenige, die in der Küche aus diesen Zutaten Gerichte zaubert. Ihre Geschichte wäre ohne das soziale Miteinander in diesem Haus wohl eine andere geworden.  Ohne Berufsausbildung begann Geyer im „Alten Hof“ zu arbeiten. Fünf Jahre lang war sie ein Mädchen für alles, tat, was notwendig war.

Nicht immer zur Zufriedenheit ihrer Arbeitgeber. „Wir hätten ihr fast schon gekündigt“, gesteht Annett Senst. Doch dann sah sie, wie Geyer in der Küche wirbelte. „Ich wusste sofort, das liegt ihr.“ Sie habe sich in der Küche wirklich wohl gefühlt, erinnert sich Geyer an die erste Zeit. „Mir gefällt die Kreativität, man kann gegenüber dem Service viel mehr machen.“ Und doch zögerte sie, als die Chefin ihr eine Kochlehre vorschlug. Es waren die Angst vor der eigenen Courage, die Selbstzweifel, gut genug zu sein. Zuspruch half in diesem Moment. Mit 15 Schülern startete Geyer in die Ausbildung. Zur Abschlussprüfung waren sie nur noch sechs. Sie schloss als eine der besten ab und ist ihren Chefs dankbar für das entgegengebrachte Vertrauen.

Kein bisschen weniger glücklich sind Senst und Wolters. „Küchenarbeit ist anstrengend,   manchmal hält man 20 Kilo mit den Händen“, sagt Wolters. Am Abend kann es stressig werden, wenn in wenigen Stunden viele Gerichte bestellt werden. Die erfahrene Köchin Christina Biermann werde über kurz oder lang in den Ruhestand gehen. „Da ist es gut, dass sie jetzt Unterstützung hat und zugleich Monja von ihren Erfahrungen lernen kann. Das fühlt sich für mich richtig an“, sagt Wolters.

Gestiegene Gästezahlen dank gutem Personal

Ihre Investitionen in die Küche betrachten sie nicht nur von der ökonomischen Seite. Moderne Technik soll den Angestellten die Arbeit erleichtern, Abläufe optimieren. Wolters ist überzeugt, dass eine gute Ausstattung den Arbeitsplatz für junge Fachkräfte interessanter macht. „Sie sollen Spaß und Lust auf ihren Arbeitsplatz haben.“ Das sei ein wichtiger Aspekt.

Die neue Küche ist zugleich eine Reaktion auf gestiegene Gästezahlen, die die neun Angestellten betreuen. Ein Ferienhaus, vier Ferienwohnungen, sechs Hotelzimmer sind im Angebot. Dazu kommen Restaurantgäste, zunehmend sind es kleine Gruppen. Kein Zufall, meint Wolters lächelnd.

Ihr Angestellter Robert Sommerfeld ist Kultur- und Landschaftsführer, bietet diverse Routen an, hat einen Schlüssel für den alten Grenzturm. „Wir haben ihn zu dieser Ausbildung ermuntert, können seine Aktivitäten unseren Gästen anbieten und seine Gäste können unser Restaurant besuchen“, spricht Wolters von einer Win-Win-Situation. „Du musst dich abheben, musst deinen Gästen etwas bieten, was nicht alltäglich ist“, meint Wolters. Hanno Taufenbach

Wandern an der Wasserkante mit Nordic Walking

Gewandert wird direkt an der Wasserkante. Foto: Dörte Rahming

Skistöcke eignen sich schon lange nicht mehr nur zum Skilaufen. Oft sind auch Menschen damit am Strand unterwegs – die Bewegung direkt in der Brandungszone ist ein gesundes Vergnügen. Dort liegt die Luftfeuchtigkeit bei etwa 95 Prozent. „Das Wasser wird fein zerstäubt, durch den Wind hochgeschleudert und eingeatmet“, sagt Sven Sörgel, Klimatherapeut im Hotel Neptun in Warnemünde.

„Es ist allergenfreie Luft, allerdings nur direkt am Wasser, hundert Meter weiter oben schon nicht mehr.“ Das Hotel bietet – wie viele andere entlang der Ostseeküste – diese geführten Klimawanderungen an. In Reha-Kliniken sind sie oftmals Teil der Behandlung, denn sie eignen sich unter anderem für Patienten mit Haut- und Atemwegs-Erkrankungen, Kreislaufproblemen oder Osteoporose.

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Optimale Bedingungen für die Gesundheit

„Früher hat man solchen Patienten geraten, stillzusitzen, um Schmerzen zu vermeiden“, sagt Sörgel. „Heutzutage sollen sie sich möglichst viel bewegen. Und es tut ihnen gut.“

Mecklenburg-Vorpommern hat die sauberste Luft Deutschlands, das milde Reizklima an der Ostsee eignet sich hervorragend für Klimatische Bewegungstherapie. Dadurch werden das Immunsystem gestärkt und die Leistungsfähigkeit gesteigert. Die feuchte Luft wirkt auf Nasenschleimhäute und Bronchien wie ein natürlicher Inhalator. Die UV-Strahlen des Sonnenlichts kurbeln die Produktion von Vitamin D an. Der feste, fast ebene Boden erleichtert das Laufen. Und nicht zuletzt behalten die Klimatherapeuten immer den Puls der Gäste im Auge.

Generell eignen sich diese Wanderungen für jedermann in jedem Alter. „Wer laufen kann, kann mitkommen, wir passen uns an den Leistungsstand der Gäste an“, erklärt Sörgel. Feste Schuhe sind günstig, ebenso Kleidung nach dem Zwiebelschalen-Prinzip. „Man kommt ja etwas ins Schwitzen, dann kann man eine Hülle ausziehen. Und wir haben hier fast immer Wind, der kühlt auch.“

Schwierigkeitsstufen für Anfänger und Experten

In Warnemünde bekommen die Gäste weltmeisterliche Betreuung: Die ehemalige Leichtathletin Grit Breuer arbeitet hier als Fitnesstrainerin. Unten am Strand startet sie mit Erwärmungsübungen, damit Verletzungen weitgehend ausgeschlossen werden können. Sie erklärt, wie die Nordic-Walking-Stöcke optimal benutzt werden und gibt Tipps zum richtigen Atmen. Die Strecke lässt sich je nach Zusammensetzung der Gruppe variieren – es gibt zehn Schwierigkeitsstufen.

„Mit gut trainierten Leuten gehen wir auch mal etwas schneller oder länger durch den tiefen Sand. Oder wir steigen an der Steilküste ein paar Treppen hoch und runter“, nennt Sörgel Beispiele. „Im Sommer haben wir ein kleines Handtuch dabei, dann können wir auch eine kleine Kneipp-Kur machen, mit den Füßen im Wasser gehen.“

Nach etwa zwei Stunden und knapp acht Kilometern ist die Gruppe zurück, dann legt sich der eine oder andere dick eingepackt in einen der hauseigenen Strandkörbe, um noch ein bisschen mehr Sonnenlicht zu tanken.

Aber auch, wer sich einen unbegleiteten Strandspaziergang möglichst nah am Wasser gönnt, bei Wind dick einpackt mit Mütze und Handschuhen, hat nicht nur ein schönes Erlebnis, sondern steigert sein Wohlbefinden und stärkt das Immunsystem. Dörte Rahmig

Helfendes Wasser – Kneipp ist hat heilende Wirkung für alle Altersklassen

Gesund und erfrischend: Der Armguss ist eine der Kneipp-Anwendungen. Stadt Bad Wörishofen, Stadt Bad Wörishofen. Foto: Dörte Rahmig

Morgens ein kaltes Fußbad – das klingt nicht nach dem  idealen Start in den Tag. „Aber es macht wach und fit“, weiß Beate Möller vom Kneipp-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. in Plau am See. Sie kennt das seit ihrer Kindheit: „Bei meinen Großeltern war die Badewanne immer halb voll, und wir sind morgens gleich zum Wassertreten reingestiegen.“

Sie möchte aber mit dem Vorurteil aufräumen, Kneipp hätte nur mit kaltem Wasser und alten Leuten zu tun. Denn die Lehre des bayerischen Pfarrers Sebastian Kneipp aus dem 19. Jahrhundert umfasst fünf Säulen: Ordnung, Ernährung, Bewegung, Kräuter und eben die natürlichen Reize wie Wechselbäder, Wickel oder Güsse. „Alles, was wir nach unten machen, beruhigt“, erklärt Möller. „Und alles nach oben ist anregend.

Wichtig ist auch, dass man es täglich anwendet – das stärkt das Immunsystem.“ Wer seine Füße kurz in einen winterkalten See taucht, härtet sich schon ab. „Es braucht nur einen kurzen Reiz, soll ja nicht wehtun. Dann das Wasser abstreifen, nicht ganz abtrocknen, Strümpfe und Schuhe wieder anziehen –  und man hat sofort warme Füße. Und gute Laune.“

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Kneipp funktioniert auch mit Quark und Bienenwachs

Wenn doch mal eine Erkältung droht, kann sie mit einem Fußbad zu Hause vielleicht noch abgewendet werden: „Man hängt die Beine 15 bis 20 Minuten ins Wasser – erst bei etwa 34 Grad, dann langsam ansteigend bis etwa 39 Grad. Danach mit warmen Socken gleich ins Bett.“ Bei Fieber helfen Wadenwickel: „Man nimmt feuchte Leinentücher, die nur wenig kühler sind als die Körpertemperatur, legt sie um die Beine und wechselt sie regelmäßig.“

Bienenwachs-Wickel werden einfach auf die Brust gelegt und helfen gegen Erkältung. Es gibt sie in Drogeriemärkten. Bei Verbrennungen tun Quarkwickel gut, bei Ohrenschmerzen lindern Zwiebeln.

Die Kneippschen Ideen wirken keineswegs nur bei kranken oder alten Menschen: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 36 Kindergärten und sechs Schulen, die sich an seinen Lehren orientieren – unter anderem in Wöbbelin, Groß Godems und Mestlin. „Da gehen alle raus zum Tau-Treten, es gibt gutes Essen und Entspannungsrituale während des Unterrichts“, berichtet Möller.

Kurorte mit Vorteilen für ältere Menschen

Landesweit haben sich auch fünf Senioreneinrichtungen die gesunden Anwendungen auf die Fahnen geschrieben. Deren Bewohner benötigen weniger Medikamente, die Mitarbeiter sind entspannter  – bewiesen in einer wissenschaftlichen Studie. Außerdem sind das Ostseebad Göhren auf Rügen und die Feldberger Seenlandschaft als Kneipp-Kurorte ausgewiesen, und es gibt etliche Vereine im Land.

Sebastian Kneipp hat sich die Heilkräfte der Natur zunutze gemacht. Selbst an Tuberkulose erkrankt, mutete er sich täglich einen langen Fußmarsch und ein Tauchbad in der eiskalten Donau zu – am Ende war er geheilt und gab seine Erfahrungen weiter.

Der Kneipp-Landesverband bietet Weiterbildungen für Erzieherinnen oder Altenpfleger an und möchte diese Anwendungen überall bekannter machen – immerhin kosten sie wenig oder gar kein Geld und helfen auf natürliche Art. Der bundesweite Kneipp-Bund hat 160000 Mitglieder, die in 660 Vereinen organisiert sind. Text: Dörthe Rahming

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