Besser leben in Sachsen-Anhalt

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Schon Wilhelm Busch wusste es genau. „Darum lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss.“ Und zwar das ganze Leben lang, denn Bildung fängt ganz früh an, geht in der Schule weiter, zieht sich durchs ganze Leben und hört dank Volkshochschule und Co. auch im Alter nie auf. Das wissen auch die Sachsen-Anhalt – lesen Sie hier inspirierende Geschichten übers Lernen, Forschen und Entdecken.

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Innovation: Algen für den Blumentopf

Die „Kinderkrippe“ der Algenproduktion. In den Reagenzgläsern teilen sich die Zellen. Foto: Bernd Kaufholz

Jörg Ullmann ist der Herr des Seetangs. Sein Traum: Spirulina für jedermann. Im Blumentopf auf dem Fensterbrett – und als Kämpfer gegen Mangelernährung in Hungerregionen. Gemeinsam mit der Magdeburger Uni und dem Max-Planck-Institut entwickelt er einen Mini-Photobioreaktor für die Algenkultivierung.

Photosynthese in allen Formen

Im ersten Raum des Labors steht eine Reihe großer Reagenzgläser – verschlossen mit Stopfen. In diesen Glasröhrchen wachsen nährstoffumwabert Algen. Jörg Ullmann, der Herr des Seetangs und Chef der Algenfarm in Klötze (Altmarkkreis Salzwedel), nennt diesen Bereich, wo die Teilung der Pflanzen beginnt, „Kinderkrippe“.

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Gleich daneben hängen schlanke Plastiksäcke. Dort hinein kommen die grünen „Schlieren“, wenn sie dem Babyalter entwachsen sind und von den Reagenzgläsern „abgekratzt“ wurden. Im „Kindergarten“ rattern auf einem Tisch die gut gefüllten „Schüttelkolben“ – die Algen wachsen und wachsen. Bis sie in die 100-Liter-Photobioreaktoren gefüllt werden.

Die drei „Tonnen“ sind mit einem durchsichtigen Röhrensystem verbunden, in dem die Photosynthese – also das Erzeugen von biologischen Molekülen mithilfe von Lichtenergie – weiterläuft. „Die ,Schule‘ ist danach das Gewächshaus mit den 1000- bis 5000-Liter-Becken“, sagt Ullmann. Dort werden die Algen dann auch geerntet.

Photosynthese aus dem Mini-Reaktor

Das, was bei seiner Algen-Firma „Roquette“ im Großen für diverse Lebensmittel produziert wird, soll es demnächst auch im Kleinen geben – sozusagen Algen für den Blumentopf auf der Fensterbank, wie Kresse oder Basilikum, für jedermann. Wobei es sich bei Spirulina“, die einst Blaualge genannt wurde, eigentlich um ein Cyanobakterium handelt.

Das viel beachtete Pilot-Projekt, für das es kein Vorbild gibt und das dieses Jahr auf der Hannover-Messe in vorgestellt wurde, bezeichnet Ullmann als „Hand-und-Fuß-Projekt“. Es entstand die Idee, einen Prototypen zu entwickeln, mit dem der Anbau der „Spirulina“ überwacht werden kann.

Warum das so wichtig ist, erklärt Ullmann: „Schädliche Pilze sind auf der Alge nicht zu sehen. Es geht also um eine Anbautechnologie für eine saubere Alge.“ Der Mini-Photobioreaktor – etwa so groß wie eine Kaffeemaschine – mache es durch ein integriertes Bestandteil möglich, dass das Algenwachstum von außen durch Experten überwacht werden kann. Zum Beispiel per Smartphon. Selbst aus der Ferne.

Algen als Superfood

Das Projekt sei an der Uni ausgeschrieben worden, nimmt der promovierte Maschinenkonstrukteur den Faden wieder auf. „Nicht branchenspezifisch, sondern übergreifend.“ Und weil „die biotechnische Komponente fehlte“, habe er beim Studiengang „Biosystemtechnik“ nachgefragt. Hilfreich sei das Engagement des Max-Planck-Instituts, das seine Algenforschungslabore zur Verfügung gestellt habe. „14 Wochen reine Entwicklungszeit vom weißen Blatt Papier bis zum Prototyp haben gezeigt, dass die Sache ein funktionsfähiges Konzept ist“, so der 34-Jährige.

 

Sein Partner in der Altmark denkt schon weiter. Stichwort: „Doppelnutzung. Ich engagiere mich bereits seit mehreren Jahren bei einem Algen-Projekt in Kolumbien.“ Hintergrund sei, dass Algen eine Art „Superfood“ seien und bis zu 50 Prozent mehr Eiweiß in der Trockenmasse enthält als Eier, Schnitzel oder Soja.“ Untersuchungen hätten ergeben, dass ein Teelöffel Spirulina pro Tag innerhalb von vier bis sechs Wochen Mangelernährung ausgleicht. „Wenn wir unsere Minifarm mit Fernüberwachung in die Produktion überführen könnten, wäre das ein großer Schritt, um etwas gegen Hunger und Krankheit in Entwicklungsländern zu tun.“

Deutschlands erste kommunale Medizinstipendiatin

Foto: Steffen Honig

Lena Grünthal, 20 Jahre jung, ist offen, selbstbewusst und wortgewandt. Gymnasium, Abitur mit einem Schnitt von 1,1 gebaut, nun Medizinstudentin im 4. Semester.

Anders als ihre Kommilitonen aber weiß Lena Grünthal schon genau, wo sie einmal praktizieren wird: In ihrer Heimatstadt Osterburg. Hintergrund ist ein bundesweit einmaliges Modell, das helfen soll, den Ärztemangel in ländlichen Gebieten zu bekämpfen.

Ein Versprechen für die Zukunft

Gegen die Verpflichtung, später eine Praxis als Augen- oder Allgemeinarzt in Osterburg zu übernehmen, zahlen die Kassenärztliche Vereinigung und die Kommune der angehenden Medizinerin ein Stipendium. Lena erhält somit 700 Euro im Monat. Bei den Studienorten war Magdeburg ihr Wunsch, hier wurde sie auch angenommen: „Wir sind in Seminargruppen mit je 20 Leuten zusammen. Das gefällt mir – Studium wie in einer Familie.“

Um den Kopf auszulüften, frönt die Osterburgerin, die in einer festen Beziehung lebt, einem sehr bewegungsintensiven Hobby: Sie tanzt für ihr Leben gern. In der Altmark hat sie selbst Kurse an der Tanzschule gegeben, war Übungsleiterin für Zumba-Kurse. Jetzt wirbelt sie im Fitnessstudio umher- wenn Zeit ist. Steffen Honig

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