Besser leben in Sachsen

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Arbeitgeber in Sachsen

Statistisch gesehen verbringt der Mensch mehr Zeit auf Arbeit als aktiv bei seiner Familie. Da sollte der Job also nicht nur das nötige Kleingeld bringen, sondern auch Spaß machen, inspirieren und Gelegenheiten bieten, mehr daraus zu machen, Karriereleitern zu erklimmen, Sinn stiften – und sich gleichzeitig gut mit allen anderen wichtigen Dingen im Leben vereinbaren lassen. Wer wo die Balance in SACHSEN gut schafft, welche Herausforderungen dafür zu meistern sind, das lesen Sie hier.

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Anona hat alles drauf

Anona expandiert. Foto: LVZ

Pulver für Softeis und Zutaten für Kugeleis sowie Eisgetränke, hochwertige Wellness-, Fitness- und Sportnahrung sowie diätische und vegane Lebensmittel – all das entwickelt und produziert Anona ganz nach Kundenwunsch. „Wir bieten das unseren Abnehmern in Form von Pulvern, Riegeln, Getränken, Kapseln, Tabletten und Gebäck an“, zählt Matthias Dietzsch, Geschäftsführer des Colditzer Nahrungsmittelherstellers, auf. Ob Shakes, Suppen oder Cremespeisen – für das Unternehmen kein Problem, die dafür nötigen Pulvermischungen und Granulate zu erzeugen.

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Kügelchen für Nahrungsergänzung und Anti-Aging, Riegel und Brownies, Cracker und Cookies: Anona hat alles drauf. „Unsere Mitarbeiter entwickeln pro Jahr etwa 1000 neue Produkte“, ergänzt Dietzsch. Allein bei Softeis- und Streicheis-Pulvern habe Anona aktuell 50 Sorten im Angebot. „Seit der Wende flossen etwa 75 Millionen Euro ins Unternehmen, zuletzt in die Erweiterung unserer Forschungs- und Entwicklungsabteilung.“

Der nächste Schritt sei der Ausbau der Fertigungskapazitäten. Und nicht ohne Stolz fügt der Anona-Chef hinzu: „Wir sind heute Europas führender Hersteller für diätische Lebensmittel und Nahrungsergänzungen.“ Beachtliche 1500 Rohstoffe habe das Unternehmen in seinem Zutatenpool, ist auf dessen Homepage zu lesen.

Unternehmen entwickelt sich rasant

Anders ausgedrückt bedeutet das nach Angaben von Dietzsch, dass Anona zuletzt mehr als 14 000 Tonnen im Jahr absetzen konnte. Das sei im Vergleich zu 2012 immerhin ein Plus von 5000 Tonnen. „Auch  unsere Mitarbeiterzahl entwickelte sich rasant. Mit mehr als 500 – einschließlich Saisonkräften – hat sie sich im Vergleich zu 2010 verdoppelt. Damit sind wir der wichtigste Arbeitgeber in unserer Region.“

So positiv sah es für den Betrieb nicht immer aus, dessen Marke Anona für ein über 180 Jahre erfolgreiches Unternehmen steht. Die Firma hat sich von einer ehemaligen Getreidemühle zu einem modernen Nahrungsmittelhersteller gemausert. Die Zeit nach der Wende sei eine große Herausforderung gewesen. „Uns ging es wie vielen Betrieben in Ostdeutschland. Quasi über Nacht waren unsere Produkte, unter anderem das Anona-Softeis, nicht mehr gefragt. Die Märkte brachen weg.“

Von 134 Mitarbeitern seien nur noch 34 übriggeblieben. Ein mühevoller Neustart „gelang zunächst mit Zusatzstoffen für Backmischungen, die wir nach 1990 an Industrie und Handwerk lieferten“, erinnert sich der Chef. Das half beim Überleben. Eine gewisse Zäsur stellte wohl 1994 dar, seit diesem Jahr produziert Anona neben Softeis diätische Lebensmittel und Nahrungsergänzungen. „Wir tun dies ausschließlich für Vertriebsunternehmen – private Labels“, berichtet Dietzsch.

Das soll heißen, dass die Kunden Anona beauftragen, für sie spezielle Produkte zu entwickeln und herzustellen. Die Vermarktung liege dann in den Händen der Auftraggeber. Sich auf diese Vorgehensweise, auf diese Stärken zu konzentrieren, habe sich als erfolgreich erwiesen.

Abnehmer in 30 Länder

Mit der Folge, dass in den vergangenen Jahren eine „stetige positive Unternehmensentwicklung“ zu verzeichnen gewesen sei. Mehr als diese recht allgemeine Aussage ist dem Firmenchef nicht abzuringen. Zu konkreten Zahlen mag er nichts sagen. „Wir äußern uns nicht zu Umsätzen und Gewinnen.“ Immerhin zählen die Colditzer inzwischen 400 Kunden zu ihren Geschäftspartnern.

Und die sitzen nicht nur im Inland. „Wir agieren seit Jahren international“, berichtete Dietzsch. Abnehmer in 30 Ländern habe Anona. „Vorwiegend in Europa und Asien – und über Kundendistributionen sogar weltweit.“ Auf seiner Homepage führt das Unternehmen mit Europa, Nord- und Südamerika, Asien, Afrika und Australien alle Erdteile auf, wohin seine Produkte geliefert werden. Insgesamt zehn Prozent aller Erzeugnisse gehen demnach in den Export. „Künftig wird China verstärkt im Fokus stehen“, erklärt der Geschäftsführer mit Blick auf die nächste Zeit. Regelmäßig auf nationalen und internationalen Branchenmessen vertreten, knüpft Anona nach eigener Darstellung ständig neue Kontakte für eine beständige Expansion.

Somit soll sich der Aufschwung des Betriebes vom einstigen DDR-Hersteller für Instant-Pudding und Softeispulver zum weltweiten Player für diätische Lebensmittel und Nahrungsergänzungen fortsetzen. „Natürlich streben wir eine weiterhin positive Unternehmensentwicklung an“, betont Dietzsch. „Was auch einen Zuwachs an Mitarbeitern bedeutet.“ Schließlich ist die erneute Aufstockung der Fertigungskapazitäten bereits fest eingeplant.

Cotesa – eine sächsische Firma auf Höhenflug

Der Zulieferer von Airbus und Boeing startet weiter durch. Foto: LVZ

Der Auftrieb für den sächsischen Flugzeugbau-Zulieferer Cotesa mit seinen beiden Standorten in Mittweida und Mochau bei Döbeln ist nahezu atemberaubend. Ausbaupläne mit Höhenflugcharakter stehen auf dem Programm. Innerhalb von drei Jahren soll die Anzahl der Belegschaften der zwei Werke von derzeit 750 auf 1200 in die Höhe schießen – parallel dazu die Produktion natürlich gesteigert werden.

Möglich geworden ist dies nicht zuletzt durch den Einstieg eines chinesischen Investors. Die Erlöse in zweistelliger Millionenhöhe aus dem Verkauf der Mehrheit der Cotesa GmbH an die Pekinger Higtech-Schmiede AT&M will Firmenchef Jörg Hüsken für die Expansion nutzen, wie er in diesem Sommer verkündete. Erst nach siebenmonatiger Prüfung durch das Bundeswirtschaftsministerium gab es im April dieses Jahres endgültig grünes Licht für das chinesische Engagement in Sachsen, nachdem bereits im Herbst vorigen Jahres das Bundeskartellamt zugestimmt hatte.

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„Wir können jetzt endlich durchstarten“, verkündete seinerzeit der Manager hoch zufrieden. „Dafür haben uns bisher die Mittel gefehlt.“ Und in der Zeit der Kontrolle der Übernahme durch Berlin seien dem Unternehmen sogar Aufträge im Umfang von bis zu fünf Millionen Euro durch die Lappen gegangen.

Cotesa setzt sich gegen die Konkurrenz durch

Das Werk in Mochau, das 2015 den Betrieb aufnahm, steht bei den Investitionen im Zentrum. „Das ist der der Standort, den wir ausbauen“, erklärte Firmengründer Hüsken, der zusammen mit seinem Partner Udo Berthold Anteile in Höhe von 25,1 Prozent an Cotesa und damit eine Sperrminorität – de facto die Kontrolle bei wichtigen Entscheidungen – behält. Anders als im Stammwerk im nahegelegenen Mittweida sei dort noch genug Platz für eine Erweiterung. Entsprechend würden hier auch die meisten neuen Jobs geschaffen. Bisher arbeitet in Mochau etwa ein Drittel der Cotesa-Belegschaft. „Ich könnte sofort 100 neue Mitarbeiter einstellen“, sagte Hüsken vor Kurzem und fügte hinzu: „Wir haben Arbeit ohne Ende.“

Daran „schuld“ ist auch ein Auftrag von Boeing, den die Firma mit dem englischen Namen Composites Technology Saxony (Cotesa) im vergangenen Sommer an Land gezogen hatte. Damals unterschrieben die Sachsen einen auf mindestens fünf Jahre ausgelegten Liefervertrag. Zur Feier des Tages meinte Boeing-Europa-Präsident Michael Arthur: „Wenn es gut läuft, dann können wir über 50 Jahre Partner sein.“ Hüsken machte aus seiner Freude keine Mördergrube: „Wir sind stolz darauf, mit diesem Auftrag ein Teil des Boeing-Zuliefernetzwerks in Deutschland zu werden.“

Rund 30 Interessenten soll es für diese Coup gegeben haben. Cotesa setzte sich schließlich durch. „Die Qualität hat uns überzeugt“, begründete Arthur den Zuschlag für die Sachsen. Sie werden Teile aus einem Hochleistungs-Faserverbundwerstoff liefern, die für die Außenhaut des Boeing-Hubschraubers CH-47F Chinook verwendet werden – Sandwichbauteile, die biserige Metall-Elemente ersetzen und dabei noch leichter und stabiler sind. Der US-Riese plant, den seit den 1960er-Jahren gebauten Helikoptertyp bis ins Jahr 2060 zu bauen – natürlich in immer neueren Versionen.

Alles begann mit Flugzeugtoiletten

Mit Boeing hat das Cotesa-Team praktisch einen Konkurrenten seines bisherigen Abnehmers ins Boot geholt, der allerdings auch weiterhin zur Stange hält. Denn aus dem sächsischen Unternehmen erhalten bereits fast alle Airbus-Typen Komponenten aus Kohlefaserverbundstoffen, darunter aus Mochau für Rumpfverkleidungen des Airbus A320, aus Mittweida Teile für das Seitenruder dieses Flughzeugs – und Bordtoiletten für den doppelstöckigen A380. Interessant: Mit Fußbodenwannen für Flugzeugtoiletten hat 2002 die Erfolsgeschichte von Cotesa begonnen. Damals stieg Hüsken mit fünf Mitarbeitern in das Zuliefergeschäft ein – in einer Garage übrigens.

Diese „Fertigungsstätte“ hat längst ausgedient. Und auch künftig geht es weiter aufwärt. Denn mit dem Einstieg von Advanced Technology & Materials (AT&M), einer Tochterfimra des Staatskonzerns China Iron & Steel Research Institute Group, ist der Zugang zum wachstumsstarken chinesischen Markt verbunden. So wollen Hüsken und Co. künftig auch den staatlichen chineischen Flugzeugbauer Comac beliefern.

Dazu plant der Firmen-Chef eine neue Fabrik im Reich der Mitte. Der Baustart wurde für dieses Jahr angekündigt. Hüsken rechnet aber damit, dass drei bis vier Jahre ins Land gehen, bevor dort alles fertig ist. Auch schielt das sächsische Unternehmen auf das geplante russisch-chinesische Großraumflugzeug Craic C 929, das 2020 erstmal abheben soll. Daran wollen die Sachsen mitarbeiten.  Und somit ihren Höhenflug fortsetzen.  Ulrich Langer

Was ein Firmenchef in seiner Freizeit treibt

Klaus-Dieter Bugiel hat das Kurier- und Transportunternehmen Fox-Courier gegründet. Foto: LVZ

Ein Faible für neue Technik – das trifft auf Klaus-Dieter Bugiel hundertprozentig zu. „Alles, was die Arbeit erleichtert, muss ich sofort anschaffen“, erzählt der Chef des Schkeuditzer Kurier- und Transportunternehmens Fox-Courier. Das war schon früher so. „Da habe ich mir zur Jugendweihe einen Vergrößerungsapperat gewünscht, um Fotos in der Dunkelkammer selbst zu entwickeln.“

Später sogar in Farbe. Für derartige Hobbies hat der Unternehmer aber jetzt kaum noch Zeit. „16 Stunden hat mein Arbeitstag in der Regel.“ Ihn angenehmer zu gestalten – auch da hilft ihm die neueste Technik. „Sie macht es inzwischen möglich, das eine oder andere von zu Hause aus zu erledigen.“ Moderne Heimarbeit in digitalen Zeiten.

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Ausgleich durch spannende Hobbys

Er kümmert sich in seinem 1993 gegründeten Betrieb verstärkt um die Kundenpflege, Auftragsbeschaffung und Kostenoptimierung. Sein Job fordert ihn, denn gerade bei kurzfristigen Kundenwünschen ist rasches Handeln gefragt – faktisch rund um die Uhr.

Als Ausgleich gönnt er sich beim TTC Holzhausen das eine oder andere Tischtennis-Match. „Wir spielen in der Bezirksklasse“, sagt der 57-jährige Diplom-Ingenieur für Maschinenbau. Einmal pro Monat frönt er seiner sportlichen Leidenschaft. „Zu mehr reicht die Zeit einfach nicht aus.“

Zumal er auch noch musiziert. „Ich versuche, Bassgitarre zu spielen“, sagt er schmunzelnd und gehörig untertreibend. Seit 2005 ist Bugiel mit der Leipziger Band „Saitensprung“ musikalisch unterwegs. „Rock und Pop sind unser Ding.“ In der ganzen Bundesrepublik seien sie zu Gange. „An die 10 bis 20 Auftritte pro Jahr kommen schon zusammen.“

Damit nicht genug. Als vom Luftfahrtbundesamt zugelassener Ausbilder agiert der gebürtige Leipziger seit 2010. „In den Schulungen geht es um Fragen der Luftsicherheit.“ Eben darum, wie eine sichere Lieferketten garantiert werden kann, damit die Fracht risikofrei in die Flugzeuge gelangt. U.Langer

Kay Hedrich lässt Texte und Bilder auf Graspapier drucken

Es grünt so grün. Das vegane Buch von Kay Hedrich besteht aus Graspapier und wird von Leim auf Wasserbasis zusammengehalten. Auch die Druckfarben kommen ganz ohne tierische Bestandteile aus, und Ledereinbände sind tabu. Foto: Ronald Bonss

Es gibt sie. Bücher, die man nicht nur lesen, sondern die man riechen kann. Kay Hedrich greift in den Karton und holt ein Buch heraus. Er hält es seinem Gast nicht nur vor die Augen, sondern auch unter die Nase. „Das Flüstern der Rebellion“ ist das erste auf Graspapier gedruckte Buch. Und das kann man eben nicht nur lesen, sondern auch riechen.

Die Assoziationen reichen von Omas Heuboden über grünen Tee bis hin zu frischem Basilikum. Eines eint alle Leser und Riecher: Sie sind überrascht und gleichermaßen begeistert. Für Kay Hedrich ist das ein wichtiges Signal. Er hat große Pläne. Er will den Buchmarkt aufmischen. Eine Branche, in der seit Jahren wenige Innovationen zu verzeichnen sind. Ideen gibt es einige, aber die Angst vor der Digitalisierung lähmte den Erfindergeist spürbar.

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Matabooks und die Herausforderungen des Buchmarktes

Zeit, endlich etwas Neues zu wagen, sagt der 35-Jährige. Und er hat damit begonnen. Am 1. Januar diesen Jahres gründete er sein Unternehmen Matabooks. In seinem Büro stehen ein großer Schreibtisch, eine Pinnwand voller neuer Ideen und To-do-Listen sowie ein Bücherregal. „Ich liebe Bücher“, gesteht der in Dresden geborene Jungunternehmer.

Er hat immer schon viel und gerne gelesen. Vermutlich auch deshalb hat er sich zum Mediengestalter ausbilden lassen, arbeitete in der Druckerei, studierte Buch- und Medienproduktion und machte schließlich seinen Master in Medienmanagement. Er kennt die Branche, er kennt die Materialien und er kennt die Herausforderungen.

Mit wenig Ressourcen und ohne Chemie

Kay Hedrich möchte die Herstellung von Büchern, Kalendern und Karten nachhaltiger machen. Mit weniger Ressourcen aus nachwachsenden Rohstoffen und möglichst ohne den Einsatz von Chemie. Dass das funktioniert, hat er schon während einer Projektarbeit im Studium erfahren. Hier beschäftigte er sich mit dem Graspapier und dessen Erfinder Uwe D´Agnone. Der Mitfünfziger ist Geschäftsführer der Firma Creapaper.

Er war ursprünglich auf der Suche nach einem neuen Material für Verpackungen. Die saftig grünen Wiesen rund um Hennef inspirierten ihn. Er machte Versuche und erfand so schließlich das Graspapier. Der Name ist leicht irreführend. Denn auch heute noch werden dem Papier rund 50 Prozent Holzfasern beigemengt, um die nötige Festigkeit zu erreichen. Aber auch das soll sich ändern. „Wir wollen zu einem Papier kommen, das komplett aus Gras besteht“, sagt Kay Hedrich. Das wächst direkt im Umfeld der Papierfabrik und kann bis zu fünf Mal im Jahr geerntet werden.

Zu wenig Bäume

Bei Holz, dem bisher gebräuchlichsten Rohstoff für die Papierherstellung, sieht diese Ökobilanz schon deutlich anders aus. Jedes Jahr werden weltweit rund 15 Millionen Hektar Wald geschlagen. Das entspricht der dreifachen Fläche der Schweiz. Und jeder fünfte Baum landet schließlich in der Papierindustrie. Deutschland hat selbst gar nicht genügend Bäume.

Nur 17 Prozent der zu Papier verarbeiteten Bäume stammen von hier. Der Großteil wird importiert und das über teils große Strecken. Schweden, Finnland und Brasilien sind die Länder, aus denen der Großteil des Holzes für deutsche Papierfabriken importiert wird. Die Hölzer sind im Schnitt 4 000 Kilometer unterwegs, bevor sie zu Papier verarbeitet werden können.

Energie- und umweltschonend

Graspapier lässt sich viel einfacher herstellen. Das Gras wird geerntet, zu Heu sonnengetrocknet und in kleine Pellets gepresst. Die gelangen dann in die Papierfabrik, werden in Wasser gelöst, gesiebt, gepresst und anschließend getrocknet. „Bei der Produktion werden gegenüber der herkömmlichen Papierproduktion 80 Prozent der Energie eingespart“, versichert Kay Hedrich.

Und der Wasserbedarf sinkt von rund 5000 Liter für eine Tonne Papier auf zwei Liter. Ein Grund: Die Graspapierherstellung kommt gänzlich ohne Chemie aus. Der Ligninanteil in den Grasstängeln ist 75 Prozent geringer als bei Bäumen. Das aufwändige Auswaschen mit Sulfaten oder Sulfiten wird daher überflüssig. Und selbst wenn alle künftigen Bücher aus Graspapier hergestellt würden, gäbe es keinen Mangel an dem nachwachsenden Rohstoff, versichert Kay Hedrich.

1000 Bücher sind das Ziel

Sein Büro ist Teil der Gründerschmiede der Hochschule für Wirtschaft und Technik in Dresden. Auf dem Schreibtisch reihen sich die Grünpflanzen aneinander. Sie zierten den ersten Messestand in der Geschichte von Matabooks auf der Leipziger Buchmesse im März. Hier hat Kay Hedrich auch für sein erstes große Projekt geworben. Er möchte 1000 Bücher auf Graspapier drucken und mit glutinfreiem Leim binden lassen.

Bis Ende April hat Kay Hedrich 15 683 Euro eingesammelt, um 1 00 Exemplare drucken zu lassen. „Leider nicht in Sachsen, denn das kann hier keine Druckerei“, so der Unternehmer. Das Geld stammt von der Crowd. Mehr als 290 Kleinstinvestoren hat die Idee des Graspapiers überzeugt. Sie investierten und werden nun mit einer Ausgabe des Buches belohnt. Wahlweise gibt es noch Karten und Notizbücher.

Luxus für das tägliche Männer-Ritual

Der Pinsel mit der Ecke: Geschäftsführer Christian Müller mit Rasierpinseln und -hobeln aus der mehrfach preisgekrönten Hexagon-Serie. Foto: Georg Dostmann

Stützengrün – Rituale braucht der Mensch, sie helfen den Tag und das Leben zu strukturieren. Für Andreas Müller ist ein morgendliches Ritual unverzichtbar: die Nassrasur. „Man muss sich dafür etwas Zeit nehmen. Die Rasiercreme sollte mindestens drei Minuten einwirken, um das Barthaar geschmeidig zu machen und es sanft abschneiden zu können.  Auch wird dadurch die Reizung der Haut vermieden“, erklärt der 42-Jährige dem Nassrasur-Laien.

Denn Müller ist Profi auf diesem Gebiet. Zusammen mit seinem Bruder Christian führt er in dritter Generation die Hans-Jürgen Müller GmbH & Co. KG im erzgebirgische Stützengrün. Die Manufaktur wurde bereits 1945 gegründet. Die ersten Borsten kochte Firmengründer Otto Johannes Müller in einer Waschküche, ein eigenes Betriebsgebäude besaß er anfangs nicht.  Das Handwerk der Bürsten- und Pinselmacher hat im Erzgebirge eine lange Tradition.

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Mit seinem Markennamen „Mühle“ steht das Unternehmen für gepflegte Rasurkultur aus dem Erzgebirge. Spezialisiert hat sich die Manufaktur auf Nassrasuraccesoires: Rasierpinsel, Rasierer, Sethalter, Kosmetik und die benötigten Schalen. „Mühle ist mehr als eine Marke, es ist auch ein Stück Familiengeschichte“, sagt Müller.

Hohe Qualität und Rohstoffe aus der Region

Pro Jahr verlassen mehr als 100.000 handgefertigte Rasierpinsel die Firma Mühle. Sie gehen in die ganze Welt. Die wichtigsten Märkte sind China, Russland, Deutschland, Norwegen, Großbritannien und Australien. Im vergangenen Jahr konnte der Umsatz um fünf Prozent auf knapp zwölf Millionen Euro gesteigert werden. Vor allem der Umsatz in Asien, insbesondere in China, legte kräftig zu. Neu Anläufe gab es auf dem Markt in Schweden und England. Das Unternehmen mit rund 80 Mitarbeitern verbindet als Manufaktur traditionelles Handwerk mit modernsten Fertigungsmethoden eines innovativen Industrieunternehmens.

„Wir legen großen Wert auf Nachhaltigkeit. An unserem Produkt ist nichts schnelllebig. Es ist mit Hingabe und Detailliebe gefertigt und kann lange genutzt werden“, beschreibt Müller die Philosophie des Unternehmens. Deshalb setzt Mühle auf eine hohe Fertigungstiefe uns sucht Lieferanten bevorzugt in der eigenen Region. „Man kann vieles effizienter und schneller machen, es muss der Wertigkeit des Produktes aber auch zuträglich sein“, meint Müller zu den Arbeitsabläufen im Unternehmen.

Auch exzellentes Design gehört bei Mühle zum Geschäftsmodell. Mit der vom Berliner Designer Mark Braun entwickelten Hexagon-Serie, die seit dem Frühjahr 2017 auf dem Markt ist,  konnten die Erzgebirger dieses Jahr den renommierten German Design Award gewinnen. Die Hexagon-Pinsel und Hobel haben sechseckige Griffe aus eloxiertem Aluminium.  „Rasierpinsel sind traditionell rund und bauchig“, sagt Mühle-Geschäftsführer Christian Müller (46). „Wir wollten mal etwas anderes machen. Nur zu abstrakt sollte es nicht werden. Man muss diese Pinsel und Hobel ja noch benutzen können.“ Das ist gelungen: Die sechseckigen Griffe liegen gut in der Hand, das hohe Gewicht verleiht ihnen Wertigkeit.

Die Geschäftsgrundlage wächst und wächst

Zu den bekanntesten Mühle-Produkten gehört der  Silberspitz-Dachshaarpinsel  mit genau 22 Gramm Dachshaar. „Das ist das Beste, was es auf dem Markt gibt“, zeigt sich Müller überzeugt. Inzwischen gehören rund 400 Artikel zum Sortiment der Manufaktur. Es gibt unter anderem Pinsel mit einer eigens entwickelten synthetischen Faser. Griffe aus Karbon oder Mooreiche oder aus edlem Chinalack, der in zwölf Schichten aufgetragen wird. Luxusvarianten eines Rasiersets können schon mal mehr als 300 Euro kosten, aber es gibt auch deutlich preiswertere Varianten. Der Markt für die Produkte wächst wie der Markt für Herrenkosmetik insgesamt.

Ein durchschnittliches Barthaar wächst 0,4 Millimeter am Tag, das sind etwa neun Zentimeter innerhalb eines Jahres. Nassrasur und gepflegte Bärte liegen derzeit voll im Trend. In Deutschland bevorzugen 58 Prozent der Männer eine Nassrasur mir Rasierhobel, Systemrasierer oder Rasiermesser. Nur 17 Prozent benutzen einen Elektrorasierer.

Im vergangenen Jahr hat der Rasierpinsel-Hersteller rund eine Million Euro in die Erweiterung der Produktionsfläche  investiert. Auch neue Büro- und Sozialräume kamen hinzu. Denn das Unternehmen will seine Position als Marktführer für exklusive Rasurprodukte weiter stärken und den Wachstumskurs fortsetzen. Die Geschäftsführer Andreas und Christian Müller bekennen sich mit ihrer Traditionsfirma Mühle zu ihren erzgebirgischen Wurzeln und dem Standort Stützengrün, der von jeher Heimat der Bürsten- und Pinselherstellung war.

Vor zwei Jahren wurden die beiden Geschäftsführer vom Erzgebirgskreis zu „Botschaftern des Erzgebirges“ ernannt, weil sie aktiv das Image des Wirtschaftsstandortes und der Region kommunizieren. „Bodenständigkeit, Hartnäckigkeit, sich an den Details orientieren – diese Erfahrungswerte gehören zu unserem Unternehmen“, sagt Andreas Müller.  Christoph Ulrich

Wie der Industrieroboter zum Kollegen wird

Sicherheitszonen: Das Display zeigt die verschiedenen Zonen an. In der gelben Zone kooperieren Roboter und Mensch miteinander, hier bewegt sich der Roboter wesentlich langsamer. Foto: Ronald Bonss/Fraunhofer IWU Bonss

Chemnitz – Behutsam greift der Roboter das Metallteil und reicht es an einen Mitarbeiter  weiter. Der Roboter nimmt dabei auf jede Bewegung seines menschlichen Kollegen Rücksicht und stoppt sofort, bevor es zu einem Zusammenstoß kommt. In der Forschungshalle des Chemnitzer Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) entwickeln Wissenschaftler ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept, das zusammen mit einer intelligenten Robotersteuerung, dafür sorgen soll, dass Mensch und Maschine ein eingespieltes Team werden.

Normalerweise verrichten Roboter ihre Arbeit aus Sicherheitsgründen in vergitterten Zellen, denn sie können mit 200 Kilogramm schweren Bauteilen schnell herumschwenken. In ihrer Nähe droht Lebensgefahr. Die Wissenschaftler wollen, dass die Schutzzäune entfallen. Kameras und Sensoren sollen dafür sorgen, dass der Roboter den Standpunkt seines Kollegen immer kennt. „Dann können Mensch und Schwerlastroboter im Team noch effizienter und vor allem flexibler arbeiten“, erklärt Institutsleiter Professor Matthias Putz.

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Intelligente Software vermittelt zwischen Mensch und Maschine

Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter  wird durch Kameras, Sensoren und intelligente Algorithmen möglich. Ein Algorithmus ist ein Rechenvorgang zur Lösung eines bestimmten Problems, im Fall des Roboters beispielsweise eine Handlungsvorschrift, um den Roboterarm rechtzeitig zu bremsen. Damit der Roboter richtig reagieren kann, muss er jederzeit die Position und die Laufwege des Mitarbeiters kennen. Diese kann er mithilfe mehrerer Kameras sehen. Zwei Kameras sind oberhalb des Arbeitsbereichs angebracht. Sie haben den gesamten Arbeitsraum im Blick und zeigen den aktuellen Standort des Menschen. Eine weitere Kamera sitzt oben auf dem Roboter und erfasst den Nahbereich. So kann er Gesicht oder Hand des Mitarbeiters oder ein Bauteil in dessen Hand erkennen.

Die Kameras werden mit einer Reihe von Sensoren ergänzt. Sie registrieren Parameter wie Position, Beschleunigung und Kraft des Roboters sowie die Position und Bewegung des Menschen, um Kollisionen zu vermeiden. Die vom Fraunhofer IWU entwickelten intelligenten Algorithmen helfen bei der Auswertung all dieser Daten. Sie sorgen dafür, dass das Verhalten des Roboters und alle Sicherheitsregeln abhängig von der jeweiligen Aufgabe und Situation laufend angepasst werden.

Der Roboter nimmt Rücksicht

Voraussetzung für die Programmierung des stählernen Kollegen ist ein differenziertes Sicherheitskonzept. Dabei wurden von den Chemnitzer Forschern zunächst unterschiedliche Stufen der Zusammenarbeit definiert. Je intensiver Mensch und Maschine zusammenarbeiten, desto höher die Stufe und desto strenger die programmierten Sicherheitsregeln. Wenn er dem Menschen beispielsweise ein Bauteil überreicht, bewegt er sich so langsam und vorsichtig, wie dies für diese Stufe festgelegt ist.

Wenn Mensch und Roboter verschiedene Aufgaben ausführen und Abstand voneinander halten, darf Kollege Roboter sich mit voller Geschwindigkeit bewegen. Insgesamt haben die Fraunhofer-Forscher vier Stufen der Zusammenarbeit definiert.

Ergänzt werden die Stufen durch eine Einteilung des gemeinsamen Arbeitsbereichs in räumliche Zonen. Sie geben an, wie nahe Mensch und Roboter sich kommen. In der niedrigsten Stufe gibt es nur zwei Zonen, eine grüne und eine rote. Hält der Mitarbeiter sich entfernt vom Roboter, wird hierfür eine grüne Zone angezeigt, der Roboter kann in vollem Tempo loslegen. Nähert sich der Mensch, dann wird die rote Zone aktiviert, der Roboter stoppt sofort. Wenn Mensch und Roboter sich treffen, etwa um Bauteile oder Werkzeuge zu tauschen, kommt zur grünen und roten noch eine gelbe Zone hinzu. Diese markiert den Kooperationsbereich. Jetzt bewegt sich der Schwerlast-Roboter vorsichtig und mit niedriger Geschwindigkeit.

Individuelle Stärken

Inzwischen gibt es auch eine erste Pilotanwendung in einem Industriebetrieb. In einem Werk des Sanitärherstellers Geberit im sächsischen Lichtenstein sollte mit der Mensch-Roboter-Kooperation  (MRK) die Verbesserung der ergonomischen Situation für die Mitarbeiter erreicht werden. Im ursprünglich manuellen Prozess mussten die Mitarbeiter die lackierten Rahmen vom Hängegestell entnehmen, Montageaufgaben durchführen und den fertig montierten Rahmen abschließend in den bereitgestellten Ladungsträger einsortieren. Die spezielle Herausforderung der Mitarbeiter bestand darin, die schweren, montierten Rahmen in verdrehter Körperhaltung und ungünstiger Arbeitshöhe in den Ladungsträger einzusortieren.

Als MRK-Lösung wurde dieser Arbeitsschritt zwischen Mensch und Roboter aufgeteilt, wobei beide Teilnehmer im Arbeitsablauf ihre Stärken ausspielen können. Die Mitarbeiter entnehmen den Rahmen von der Hängeposition und erledigen die Montageaufgaben mit Fingerspitzengefühl und situativem Verständnis. Der Roboter hingegen kann seine Kraft, Ausdauer und Präzision nutzen um die montierten Bauteile in die bereitgestellten Behälter zu stapeln. Damit werden Mensch und Roboter zu Kollegen. Christoph Ulrich

Die älteste Strumpffabrik in Deutschland

Thomas Lindner, Präsident des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e. V. (vti). Foto: Wolfgang Schmidt

Die deutsche Textilindustrie hat gegen die Billigprodukte aus Fernost einen schweren Stand. Für Thomas Lindner ist das Ansporn, sich in dem harten Wettbewerb zu behaupten. Der 47-Jährige leitet die älteste noch in Familienbesitz befindliche Strumpffabrik Deutschlands.

Sein Urgroßvater hatte das Unternehmen im Jahr 1890 gegründet. Er gehörte seinerzeit zu den Pionieren der sächsischen Textiltradition. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts kamen nahezu drei Viertel der Weltstrumpfproduktion aus der Region. Eine Tradition, an die Lindner anknüpft. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Deutschland und Textiltechnik in England.

Socken für alle erdenklichen Bereiche

1996 trat er in das Unternehmen seiner Eltern ein. Seit dem Jahr 2000 lenkt er die Geschicke des Familienunternehmens als Geschäftsführer, seit 2008 führt er die Strumpfwerk Lindner GmbH in Hohenstein-Ernstthal als geschäftsführender Alleingesellschafter in vierter Generation.

Das Unternehmen mit 60 Mitarbeitern produziert Socken, Bein- und Armstrümpfe beziehungsweise Bandagen für die Bereiche Mode, Gesundheitsschutz, Medizin und Sport. Seit Juni dieses Jahres ist Lindner Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (vti), der seinen Sitz in Chemnitz hat. Christoph Ulrich

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