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TOURISMUS in Sachsen

Das wahre Abenteuer liegt vor der eigenen Haustür! Muss ja so sein, könnte man sagen, denn wie sonst erklären sich all die vielen Reisenden, die sommers wie winters in Sachsen Station machen, sei es zum Wandern, Ausspannen, Baden oder Kultur genießen. Gehen auch Sie mit auf die Suche nach dem Besonderen in Ihrer Heimat – mit ein paar Klicks auf dieser Seite!

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Eibenstock setzt auf Aktivtourismus

Sessellift zum Adlerfelsen. Foto: Wolfgang Thieme
Erzgebirgsstädte wie Oberwiesenthal, Annaberg-Buchholz oder Schneeberg kennt fast jeder, aber Eibenstock? Die Kleinstadt am Fuß des 1018 Meter hohen Auersbergs mit Bergbaugeschichte und einer danach stark ausgeprägten Stickereiindustrie stand Jahrzehnte im Schatten der berühmten Schwestern. Stellt heute jemand die Frage, wo man im Erzgebirge am meisten erleben kann, dann gilt Eibenstock mit 14 touristischen Freizeiteinrichtungen als Top-Tipp.

Das sieht auch Stefan Uhlmann so, der mit seinem Vater das in den vergangenen 20 Jahren ständig erweiterte Touristenzentrum am Adlerfelsen betreibt. 25 festangestellte Mitarbeiter und ebenso viele Saisonkräfte beschäftigen sie heute. Für Bürgermeister Uwe Staab (CDU) gehören sie zu den mutigsten und innovativsten Zugpferden im Ort, ohne deren privates Engagement der Tourismus nicht zu so einer so wichtigen Erwerbsquelle geworden wäre.

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Moderner Sessellift von Doppelmayr

Für die Uhlmänner begann alles mit dem Bau eines Schleppliftes 1999 hinauf zum Adlerfelsen. Im Jahr darauf ergänzten sie den Hang mit der bis heute längsten Allwetterbobbahn in Sachsen. Die 1000 Meter lange Strecke, bei der die Schlitten auf Rohren rollen, kann das ganze Jahr genutzt werden. 2,2 Millionen D-Mark investierten die Uhlmanns dafür. Weil ihr Skihang in einer Höhenlage zwischen 650 und 760 Metern über NN zu sehr von den Launen der Frau Holle abhängig war, wurde 2002 die erste Schneekanone gekauft.

Heute übernehmen hier zehn solcher Anlagen die maschinelle Beschneiung. Innerhalb von 48 Stunden kann der 650 Meter lange Hang mit einer 30 Zentimeter starken Schneeschicht bedeckt werden – sobald es minus vier Grad kalt ist. In Eibenstock startet dadurch die Skisaison oft früher als im höher gelegenen Oberwiesenthal, weil der Hang einfach schneller präpariert ist. 2015 investierten die Uhlmanns noch einmal zwei Millionen Euro. Sie ließen von der Firma Doppelmayr einen modernen Zweier-Sessellift hinauf zum Adlerfelsen bauen. Weil sie in ihrem Konzept überzeugend darlegten, wie davon auch der Sommertourismus im Westerzgebirge profitiert, gab Sachsen 40 Prozent als Fördermittel. „Der Ganzjahresbetrieb war von Anfang an unser Ziel, weil das auch unseren Beschäftigten den Arbeitsplatz sichert“, sagt der 38-jährige Uhlmann.

Der Unternehmer bezeichnet seine Firma „als Motor für die Region“, von dem auch 21 Hotels, Pensionen und Herbergen sowie über 100 Privatvermieter im Nebenerwerb in insgesamt neun Ortsteilen profitieren. Obwohl der letzte Winter nur in der Kammregion stattfand, gab es am Adlerfelsen 110 Skitage und eine halbe Millionen Liftfahrten. Uhlmann verrät, dass die gesamte Mannschaften in den Wochen, wo wenig los ist, immer Neues ausbrütet.

Familienspaß für alle Jahreszeiten

So entstand 2005 eine Reifenrutsche, 2007 ein Abenteuerspielplatz, 2009 ein Irrgarten mit einer Kinder-Kletterwelt, 2016 neben der Bergstation des Lifts ein Murmelwald. Der ist insofern einzigartig, weil hier die zwölf Zentimeter großen Murmeln auf Bahnen zu unterschiedlich hohen Baumstümpfen rollen.

Um auch im Sommer Liftbesucher zu locken, wurden sogenannte freche Flitzer angeschafft, eine Art dreirädrige Gokart-Fahrzeuge ohne Motor. Man nimmt sie im Lift mit auf den Berg und düst dann auf einer gesonderten 1,5 Kilometer langen Strecke zu Tal. Im kommenden Winter eröffnen die Uhlmann in einem neuen Funktionsgebäude eine neue Skiausleihe mit Ausrüstungen für 400 Gäste. Im Bau ist auch ein größeres Skischulgelände. „Alles, was wir verdienen, investieren wir, um unsere eigene Zukunft zu sichern“, sagt Stefan Uhlmann. „Wir können uns keinen Stillstand leisten, wenn der Ort interessant bleiben soll.“ Die Kommune sorge dabei für beste Rahmenbedingungen.

Das bestätigt auch Roberto Fricker, Prokurist in den Badegärten Eibenstock. Die wurden 1997 als eines von vielen Spaßbädern im Erzgebirge eröffnet. Während einige längt wieder geschlossen sind, haben sich die Badegärten durch immer neue Attraktionen zu einer der außergewöhnlichsten Saunalandschaften im deutsprachigen Raum entwickelt.

70 Mitarbeiter sorgen sich hier um das Wohl der Gäste. 180.000 kommen heute etwa pro Jahr. Seit 2004 schreibt das Unternehmen, das zu 80 Prozent der Kommunen und zu 20 Prozent dem Eigentümer des benachbarten Hotels „Blaues Wunder“ gehört, schwarze Zahlen.

Alte Saunarituale in der Wellnessoase

7,8 Millionen Euro wurde in den 20 Jahren nach der Eröffnung der Anlage investiert. Geschäftsführer Hendrik Pötter hat das Bad dabei mit viel Eigeninitiative überlebensfähig gemacht. Er knüpfte bereits 1998 Kontakte zur Firma Sibirische Banja, fuhr selbst mehrfach nach Russland und ließ im Ural verschiedene russische Saunablockhäuser fertigen.

Nach russischem Vorbild entstand über die Jahre ein ganzes Saunadorf, umgeben von Birken, einem eigens angelegten Naturbadeteich und vielen Ruhezonen und Wellnessoasen. Auch alte Saunarituale werden hier gepflegt. Saunaanlagen, wie sie in Finnland, Nordamerika, Italien und Japan typisch sind, kamen später hinzu. Die ganze Landschaft mutet wie ein russisch-karelisches Dorf an und ist so groß, dass man sich verlaufen kann. Wer länger als einen Tag bleiben möchte, kann – auch im Winter – in rustikalen Schäferwagen mitten in der Saunalandschaft übernachten. Im nächsten Jahr sollen auf und am See noch Ferienblockhäuser im russischen Stil entstehen.

Für all jene, die mit dem eigenen Haus auf Rädern kommen, gibt es neben den Badegärten einen Wohnmobilstellplatz. Von dem wiederum ist es nur einen Katzensprung zum 28 Meter hohen Aussichtsturm, den die Stadt bauen ließ und von dem man einen großartigen Rundblick bis ins Leipziger Land genießt.

Hilfe aus dem Ort

Den Blick hat man auch von den Pferdekoppeln des angrenzenden Reit- und Sporthotels Eibenstock. Das hat Hartmut Funke, der Besitzer der Funkestickerei in Eibenstock, gebaut, die nicht nur Tischwäsche herstellt, sondern auch Fahnen für Vereine, Schulkleidung und Wimpel bestickt. Auch Firmenlogos aller Art – sogar auf Leder – werden bei Funke gestickt.

„Sein privates Engagement hat dazu beigetragen, dass der Aktivtourismus in der Auersbergregion eine weitere Säule erhalten hat“, sagt Stadtchef Staab. Es sei wichtig, die neun Ortsteile für Gäste und die Einwohner attraktiv und lebenswert zu machen. Dafür reiche es nicht, mit der schneesicheren Kammloipe oder dem 2013 eröffneten Mulderadweg nach Aue zu werben.

Dessen Fortführung nach Schönheide wird übrigens gerade geplant. Gern hört Stadtchef Staab von seiner Frau, die als Lehrerin in der Oberschule arbeitet, wenn sie von Kindern berichtet, deren Eltern aus Eibenstock stammen und die nun mit ihren Familien zurückgekehrt sind. Gabi Thieme

Der Tausendsassa

Hartmut Funke, Chef des Reit-und Sporthotels und Geschäftsführer der Funke-Stickerei GmbH in Eibenstock und Tina Müller, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf dem Reiterhof absolviert, auf der Pferdekoppel der Anlage. Foto: Wolfgang Thieme
Als Hartmut Funke im Mai 2006 seinen 50. Geburtstag feierte, beschäftigte den Besitzer der gleichnamigen Stickerei in Eibenstock vor allem eine Frage: „Was kommt nun noch in meinem Leben?“ Nach vielen schlaflose Nächten hatte der studierte Ökonom die Antwort: Er beschloss, aus seiner Leidenschaft für Pferde und seiner Verbundenheit mit seiner Heimatstadt in Eibenstock eine weitere Geschäftsidee umzusetzen. Eigentlich hatte er an einen kleinen Reitherhof mit Pension gedacht. Weil es dafür aber keine Fördermittel gegeben hätte, plante er ein gediegenes Hotel für Urlauber und gewissermaßen auch für Pferde.

Seine Konzept überzeugte die Banken und den Freistaat Sachsen. Er erwarb acht Hektar Land am Ortsrand und investierte sieben Millionen Euro ab 2009 in ein Vier-Sterne-Sport- und Reithotel mit 60 Betten, an das sich lückenlos die mit 80 Metern längste Reithalle in Holzbinderbauweise Deutschlands anschließt.

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Der Pferdesport ist eingezogen

Neben 30 eigenen Pferden für Zucht und reitinteressierte Feriengäste betreut er neun Pensionspferde und hält zehn Boxen für Urlauber vor, die ihre eigenen Tiere mitbringen. 2018 wird das erste Jahr sein, in dem dieses Unternehmen mit 18 Beschäftigten schwarze Zahlen schreibt. „Durch uns hat in eine von Stickereiindustrie und Wintertourismus geprägte Stadt der Pferdesport Einzug gehalten“, sagt Funke stolz. Ständig denkt er sich auch jetzt Neues aus, wie einen Pferdelehrpfad, den er als nächstes umsetzen will. Parallel qualifiziert er sich selbst seit 2017 zum Pferdewirtmeister.

Keiner sollte sich aber wundern, wenn er den 62-Jährigen in ganz anderer Mission immer mal im Fernsehen sieht. Im Düsseldorfer Verkaufssender QVC bringt er seit Jahren regelmäßig gestickte Tischwäsche an die Frau. Mit seiner Stickereifirma und 30 Beschäftigten erwirtschaftet er einen Jahresumsatz von einer Million Euro.

Zu den jüngsten Produkten gehören auch Sitzauflagen mit Massagewirkung für Autos und spezielle 3-D-Schuheinlegesohlen, die sich sogar Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer bestellt hat. Als Hobby leistet sich Funke ein kleines Oldtimermuseum mit allerlei DDR-Fahrzeugen und eine Stickereischauwerkstatt, durch die er auch selbst gern Gäste führt.

Schmilka wird zu Sachsens Bio-Dorf

Dank Sven-Erik Hitzer steht Schmilka bei Touristen wieder hoch im Kurs. Foto: SZ-Archiv
Die Sonne brennt. Zufrieden schaut Sven-Erik Hitzer nach oben. Nicht in den Schmilkaer Himmel, sondern auf das Dach des himmelblauen Gebäudes. Hier, wo früher die DDR-Grenztruppen ihre Kübelwagen geparkt haben, ist heute die Schaltzentrale seines kleinen Imperiums. Hier werden neue Marketingkampagnen erdacht und Übernachtungsarrangements kalkuliert.

Oben auf dem Dach arbeitet derweilen die Solaranlage. Auch sie ist Teil des Konzeptes von einem Bioenergiedorf in der Sächsischen Schweiz. „Ein Fünftel unserer Energie erzeugen wir bereits selbst, und der Rest ist Ökostrom“, sagt Sven-Erik Hitzer.

Neue Hoffnung für den Grenzort

Auf dem Weg zum Dorfzentrum huscht lautlos ein Elektromobil vorbei, beladen mit Saftkästen, Servietten und so allerlei, was man in der Gastronomie braucht. Gastronomie, die wollte Hitzer anfänglich eigentlich nie machen.

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Aber er ist Perfektionist und merkte 2006, nach dem Kauf des Hotels Helvetia, sehr schnell, dass die Gäste mehr suchen als einen Ort zum Übernachten.  Schmilka aber, der Grenzort mit einst 300 Einwohnern, hatte damals wenig zu bieten. Die Jugend war den Jobs hinterhergezogen. Immer mehr Häuser standen leer und hatten regelmäßig Besuch von den Elbefluten. Das Schicksal von Schmilka schien besiegelt.

Doch der in Cottbus geborene Unternehmer wollte sich damit nicht abfinden. Er, der schon als junger Mann zum Klettern in die Sächsische Schweiz gekommen war, hatte gleich nach der Wende mit der Pension Rauschenstein seine erste eigene Immobilie in dem Grenzdorf erworben. Seitdem hat er zwölf Millionen Euro in Schmilka investiert, in die Rettung denkmalgeschützter Häuser, aber auch Glasfaserkabel und eigene Stromnetze, die seine Gebäude untereinander verbinden.

Qualität und Attraktivität

Hitzer schafft dafür ständig neue Attraktionen. 2007 hat er begonnen, die alte Mühle aufzubauen. Dort sind neben der Bäckerei und der Brauerei auch weitere Gästezimmer. Alle nach höchsten baubiologischen Standards saniert und eingerichtet. Die Wände aus Lehmputz. Alte Farbmusterwalzen haben wunderschöne Dekore hinterlassen. Die Betten sind metallfrei und mit Matratzen aus Naturlatex. Vor den Fenstern hängen schwere Leinenstoffe. Hitzer hat sie in Italien entdeckt. Die Dielen sind aus geseiftem Holz, es gibt keine Lacke oder Wachse.

Der Denkmalschutz und seine Vision vom Biodorf passen übrigens perfekt zusammen. Schwerer sei es schon, die Auflagen des Brandschutzes und der Hygiene mit den alten Traditionen und Bauweisen zu vereinbaren, sagt der Investor. Aber Hitzer wäre nicht Hitzer, würde er nicht auch diesen Debatten mit Fachleuten und den Ämtern etwas Positives abgewinnen. „Man lernt immer wieder dazu und geht neue Projekte dann gleich anders an“, so sein pragmatischer Fazit.

Tanz auf mehreren Hochzeiten

Diese neuen Projekte gibt es: Das Saunahaus soll zu einem Saunadorf erweitert werden, und im Grenzeck, einer ehemaligen Gaststätte in der Ortsmitte, plant Hitzer eine Gästeinformation inklusive einer zentralen Rezeption für alle Unterkünfte im Dorf. Immerhin 150 Betten vermietet er mittlerweile und beschäftigt in der Saison bis zu 65 Mitarbeiter in Schmilka. Dazu kommen 70 auf der Festung Königstein, wo Hitzer seit 1995 die Gastronomie betreibt und weitere 50 Beschäftigte auf der thüringischen Leuchtenburg. Hier hat Hitzer  scheinbar nebenbei zwischen 2007 und 2016 eine Stiftung gegründet und eine  Porzellanausstellung aufgebaut. Einen Tanz auf vielen Hochzeiten werfen seine Kritiker ihm manchmal vor. Tatsächlich, einige Projekte gehen langsamer voran, als es sich der Unternehmer selbst wünscht. Er ist rastlos, aber eben auch geduldig. Ines Mallek-Klein

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