Besser leben in Thüringen

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Arbeitgeber in Thüringen

Statistisch gesehen verbringt der Mensch mehr Zeit auf Arbeit als aktiv bei seiner Familie. Da sollte der Job also nicht nur das nötige Kleingeld bringen, sondern auch Spaß machen, inspirieren und Gelegenheiten bieten, mehr daraus zu machen, Karriereleitern zu erklimmen, Sinn stiften – und sich gleichzeitig gut mit allen anderen wichtigen Dingen im Leben vereinbaren lassen. Wer wo die Balance in Thüringen gut schafft, welche Herausforderungen dafür zu meistern sind, das lesen Sie hier.

Geschichten

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Der Männerbart als Geschäftsmodell

Mitarbeiterin Gabriella Ratinova bei einer Qualitätskontrolle. Die Schneide der Klinge ist ein kleines Kunstwerk. Foto: Sascha Fromm

1000 Grad. Der Stahl muss viel erdulden. Gleich nach der Hitze folgt der Kälteschock, das bringt Härte und Haltbarkeit. Die silbernen Bänder werden gestanzt, geschliffen und versiegelt. Doch das eigentliche Geheimnis der Produktion bei „Harry’s Feintechnik GmbH“ im thüringischen Eisfeld liegt im Schliff.  Als gotischen Bogen bezeichnen Fachleute diese besondere Technologie, die Schneide der Rasierklinge erinnert dabei an die Spitze eines Kirchenfensters. Ein kleines Kunstwerk auf einem tausendstel Millimeter.

Top-Qualität bei konkurrenzfähigem Preis

„Auf diese Technik sind wir natürlich besonders stolz“, erzählt Geschäftsführer Michael Hirthammer beim Gang durch die Werkshallen. Nur wenige Fabriken weltweit verfügen über dieses Know-how. Das ganze Verfahren sei nur durch das perfekte Zusammenspiel von traditionellem Handwerk und modernster Produktion möglich.

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Mit ihren Produkten können sich die Thüringer mittlerweile auch gegen die Branchengrößen Gillette und Wilkinson behaupten. „Denn wir sind deutlich günstiger bei gleicher Qualität“, wirbt Hirthammer. Die Nassrasierer liegen in den Regalen vieler großer Märkte.

Die Maschinen in Eisfeld kennen keine Pause. Unablässig spucken sie Rasierklingen aus. Parallel dazu werden die Kunststoffteile hergestellt, die Rahmen und Gehäuse. Am Ende wird jedes finale Produkt mit einem individuellen 3D-Code versehen, mit dem man die Herstellung nachvollziehen kann. Produkthaftung ist ein großes Thema, gerade auch in den USA.

US-Investment, das sich gelohnt hat

1920 von Albin Ritzmann gegründet, wurden die Werke nach Ende des Zweiten Weltkriegs in den VEB Feintechnik umgewandelt. Seit vier Jahren gehört das Thüringer Traditionsunternehmen nun zum Start-up „Harry’s“, einem Online-Versand, der Rasierklingen und Pflegeprodukte herstellt und weltweit vertreibt.

Rund 100 Millionen Dollar ließen sich die beiden Amerikaner Andy Katz-Mayfield und Jeffrey Raider die Übernahme in der ostdeutschen Provinz kosten. Weitere 22,5 Millionen flossen in die Modernisierung des Maschinenparks. Bereits ein Jahr nach dem Zusammenschluss weihte die Firma nur wenige Hundert Meter vom Stammsitz ein neues Produktionsgelände ein, 2017 folgte die zweite Halle.

Das Wachstum macht sich auch bei der Zahl der Mitarbeiter bemerkbar. Maren Kroll ist permanent auf der Suche. „Mittlerweile ist es fast unmöglich, Arbeitskräfte in der Region zu bekommen“, erzählt die Personalchefin. Das Unternehmen sucht in den angrenzenden Bundesländern, Stellen für Spezialisten würden bundesweit ausgeschrieben, so Kroll. Peter Rathay

Hoch stapeln ohne hochzustapeln

Sven Lindig ist Experte für den Vertrieb von Gabelstaplern und Arbeitsbühnen. Fotos: Sascha Fromm

Seit ihrer Gründung im Jahre 1899 befindet sich die Eisenacher Firma Lindig ununterbrochen im Familienbesitz. Selbst die DDR-Zeit und den mit ihr verbundenen Drang zur Verstaatlichung hat man unbeschadet überstanden. Man sei wohl schlicht zu klein gewesen, erzählt  Geschäftsführer Sven Lindig. Auf das Instandsetzen von Blattfedern war das Unternehmen damals spezialisiert. Sein Vater wagte im Jahr 1990 einen Neustart des Unternehmens als Vertragspartner für Gabelstapler der Marke Linde.

Verkauf, Vermietung und Service

Inzwischen zählt die Lindig Fördertechnik GmbH mit Stammsitz in Krauthausen bei Eisenach über 300 Beschäftigte. Die sind an mittlerweile sechs Standorten in Deutschland präsent. „Das ermöglicht es, unsere Kunden direkt vor Ort in vier Bundesländern zu betreuen“, erläutert der Firmenchef das Konzept. Der Verkauf und die Vermietung von neuen und gebrauchten Geräten gehört ebenso zum Kerngeschäft wie der Service, die Lieferung von Ersatzteilen oder begleitende Schulungen in der firmeneigenen Akademie.

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Sven Lindig hat den Familienbetrieb mit seinem Team, für das er dankbar ist, nach der Firmenübergabe an ihn im Jahre 2011 weiterentwickelt. „Wichtig war mir, die Mitarbeiter einzubeziehen“, sagt Lindig. Dies sei heute mehr denn je notwendig, wo klassische Managementstrukturen seiner Meinung nach den Marktanforderungen im Dienstleistungsbereich immer weniger gerecht werden. Es sei aber ein Prozess stetigen Lernens und Experimentierens, bei dem natürlich auch Fehler passieren können. Bernd Jentsch

Die Messtechnik-Experten aus Leubingen

Veit Stockmann im Messraum seines Unternehmens. Foto: Sascha Fromm

Für Veit Stockmann stand schon in der Kindheit fest, dass er den Betrieb des Vaters fortführen würde, die Prüf und Qualitätszentrum GmbH.  Er hat seine gesamte Karriereplanung darauf ausgelegt und zunächst ein Maschinenbaustudium mit der Spezialisierung auf Messtechnik begonnen. Das schloss er im Jahr 2001 erfolgreich ab, wollte aber nicht sofort in das Unternehmen der Eltern wechseln.

Das Angebot wissenschaftlich an der Magdeburger Universität weiterarbeiten zu können, habe genau gepasst, sagt Stockmann. Vier Jahre forschte und lehrte er, arbeitete an seiner Promotion und kehrte nach deren erfolgreichem Abschluss nach Thüringen zurück.

 

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Genauigkeit im Tausendstel-Millimeter-Bereich

Das Unternehmen hat seinen Sitz inzwischen im Gewerbepark in Leubingen.  „Wir haben lange nach einem geeigneten Standort gesucht“, sagt Veit Stockmann. Abseits der Straße und der Überlandleitungen für Strom musste man sein, um die Testergebnisse nicht durch Strahlung oder Vibrationen zu beeinflussen. Immerhin geht es bei den Messungen und beim Kalibrieren von Geräten und Anlagen um Genauigkeiten im Tausendstel-Millimeter-Bereich.

 

Die mehr als 20 Mitarbeiter der Firma, die Veit Stockmann nach seinem Maschinenbaustudium vom Vater übernommen hat, sind Spezialisten auf verschiedenen Gebieten. Die meisten haben ihre Ausbildung zum Werkzeugmacher in der Firma absolviert und wurden übernommen. „Daher stimmt auch der Altersdurchschnitt“, freut sich der Unternehmer. Bernd Jentsch

„3-D-Schilling“ ist Spezialist für Modelle und Prototypen

Firmengründer Martin Schilling sieht sein Lebenswerk bei seinen Kindern Thomas und Kerstin gut aufgehoben. Fotos: Sascha Fromm

Martin Schilling teilte zu Beginn der Neunzigerjahre im Kyffhäuserkreis das Schicksal Tausender – er war arbeitslos. Die großen Betriebe waren durch die Treuhand quasi über Nacht geschlossen worden oder bauten zumindest drastisch Stellen ab. Er habe Mitarbeitern seines Bereiches die Kündigungen ausstellen sollen, erinnert sich Schilling. „Das wollte ich nicht, da bin ich lieber selbst gegangen.“

Erfolgreichen Unternehmer aus der Besenkammer

Schilling gründete seine eigene Firma in Oberspier. In Berichten über große Konzerne in den USA finde sich immer wieder der Hinweis, dass diese einst in einer Garage gegründet worden seien, sagt der Unternehmer lächelnd. „Bei mir war es eine Besenkammer.“

Was als Ingenieurbüro unter dem Namen „3-D-Schilling“ begann, ist mittlerweile eine ansehnliche Firma geworden mit modernen Fabrikhallen und einem Verwaltungsgebäude, mit einer firmeneigenen Kantine und mit Laboren. Kunden aus ganz Deutschland und darüber hinaus wenden sich an die Firma, wenn sie Modelle, Muster oder einen Prototypen, Werkzeuge oder aber Teile aus Kunststoff benötigen.

„Wir haben in den zurückliegenden Jahren vieles automatisiert in der Fertigung“, sagt Thomas Schilling. Allerdings sei es dabei nie darum gegangen, die Menschen durch Roboter zu ersetzen. Die sollten den Beschäftigten die einfachen Tätigkeiten abnehmen, damit sich die Mitarbeiter auf ihre Kernkompetenz konzentrieren können, erläutert der Juniorchef. Bernd Jentsch

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